Werde erwähnenswert: Wie KI Führung und Sichtbarkeit verändert
Von Birgit Hass
Ein Titel auf der Visitenkarte macht noch keine Führungspersönlichkeit. Aber was macht sie aus, wenn Wissen jederzeit verfügbar ist und KI zunehmend mitentscheidet, wessen Expertise wahrgenommen wird? Darüber habe ich für das Buch „Leadership – Frauen schaffen Zukunft“ geschrieben.
Ich habe in mehr als 20 Jahren in Kommunikation, Markenaufbau und Führung viele Menschen erlebt, die in einem Organigramm weit oben standen. Und andere, die ohne großen Titel erstaunlich viel bewegt haben. Sie haben zugehört, Verantwortung übernommen, Menschen zusammengebracht und ihnen Orientierung gegeben.
Das ist für mich Leadership. Die Position kann dabei helfen. Die Wirkung muss man selbst erzeugen.
Gute Arbeit verdient Sichtbarkeit
Gerade Frauen höre ich oft sagen: „Ich möchte mich nicht in den Vordergrund drängen.“ Das verstehe ich gut. Nicht jede möchte ständig posten oder ihre Erfolge öffentlich ausstellen. Doch zwischen Selbstdarstellung und Unsichtbarkeit liegt ein großer Raum.
Wer Erfahrung hat, kann sie teilen. Wer etwas anders sieht, kann widersprechen. Wer andere fördern möchte, kann ihre Arbeit sichtbar machen. Das ist keine Eitelkeit. Es kann Menschen helfen, Entscheidungen zu treffen, voneinander zu lernen und neue Möglichkeiten zu entdecken.
Trotzdem wird Sichtbarkeit häufig erst dann ernst genommen, wenn sie sich in Zahlen messen lässt: Reichweite, Follower, Klicks. Diese Zahlen erzählen aber nur einen Teil der Geschichte. Mich interessiert mehr, ob jemand mit dem, was er oder sie sagt und tut, etwas auslöst.
KI stellt eine neue Frage
Heute suchen Menschen Informationen nicht mehr nur selbst zusammen. Sie lassen sich Themen erklären, Quellen zusammenfassen und Empfehlungen von KI-Systemen geben. Dadurch verändert sich auch, wie Expertise gefunden wird.
Für Führungskräfte, Unternehmen und ihre Mitarbeitenden reicht es künftig weniger, sich gelegentlich eine große Bühne zu verschaffen. Ihre Gedanken und Erfahrungen müssen in relevanten Zusammenhängen auffindbar und nachvollziehbar sein. Sonst werden sie bei Gesprächen und Entscheidungen womöglich gar nicht erst berücksichtigt.
Meine Frage lautet deshalb: Bin ich erwähnenswert?
Damit meine ich nicht, möglichst laut zu werden. Erwähnenswert wird, wer etwas Eigenes beizutragen hat: eine klare Haltung, praktische Erfahrung, eine gute Frage oder eine Perspektive, die bislang fehlt.
Netzwerke sind Teil von Führung
Mit The Finfluencer Circle erlebe ich jeden Tag, was passiert, wenn Menschen ihre Kontakte und ihr Wissen teilen. Jemand bekommt eine Bühne für eine Idee. Zwei Menschen finden zusammen und starten ein Projekt. Eine Expertin wird gehört, die vorher kaum jemand auf dem Schirm hatte.
Solche Verbindungen entstehen nicht von allein. Jemand muss zuhören, Gelegenheiten erkennen, Menschen vorstellen und manchmal auch einen Schritt zurücktreten, damit andere nach vorne kommen können.
Für mich ist genau das eine Form von Führung. Einfluss zeigt sich auch darin, was durch andere möglich wird.
Was sich für Frauen ändern kann
Wenn Führung stärker über Beziehungen, Kommunikation und Wirkung entsteht, eröffnen sich neue Wege, Einfluss zu nehmen. Frauen müssen nicht warten, bis ihnen ein Titel verliehen wird, um ihre Expertise einzubringen. Sie können Netzwerke aufbauen, Wissen teilen und andere unterstützen.
Natürlich ersetzt Sichtbarkeit keine fairen Chancen auf Führungspositionen. Aber wer kompetent ist und nie gehört wird, bleibt bei wichtigen Entscheidungen leichter außen vor. Deshalb wünsche ich mir, dass wir selbstbewusster über unsere Arbeit sprechen und einander häufiger ins Gespräch bringen.
Werde erwähnenswert. Und hilf anderen dabei, es ebenfalls zu werden.
Das ist der Gedanke hinter meinem Beitrag im Buch „Leadership – Frauen schaffen Zukunft“. Ich freue mich, Teil dieses Bandes mit vielen unterschiedlichen Stimmen zu sein. Herausgegeben wurde er von Claudia Rankers und Kerstin Rücker im Verlag Frankfurter Allgemeine Buch.
Was bedeutet für Dich gute Führung, wenn KI Wissen für alle verfügbar macht?
Birgit Hass ist Gründerin von The Finfluencer Circle und beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Kommunikation, Markenaufbau, Netzwerken und Leadership.
Herausgeberinnen: Claudia Rankers und Kerstin Rücker, FAZ Buch Verlag
Co-Autorinnen aus dem Hause BEYOS: Angelika Schindler-Obenhaus und Daniela Grumbach
Über Birgit Hass:
Birgit Hass ist Gründerin von The Finfluencer Circle, Beirätin bei BEYOS und Expertin für Sichtbarkeit, Netzwerke und Corporate Influencing. Seit mehr als zwei Jahrzehnten verbindet sie Kommunikation, Markenaufbau und Leadership. Ihre Überzeugung: Führung entsteht heute weniger durch Hierarchie als durch Haltung, Beziehungen und Wirkung. Im KI-Zeitalter lautet ihr Credo: Nicht nur sichtbar sein, sondern erwähnenswert werden.
Über die Co-Autorinnen: Alexandra Beran, Ute Boehringer-Mai, Diana Bolle-Radszuhn, Marion Borgs, Anke Brinkmann, Claudia Burger, Monika Burkard, Barbara Buth, Simona Deckers, Nadja Gäms, Alexa Gorman, Bärbel Grade, Birgit Hass, Maike Hora, Maike July, Nadine Kammerlander, Tanja Kopietz-Heberle, Jutta Krienke, Natalie Kurz, Claudia Lässig, Heike Leise, Judith Mandel, Daniela Mehner, Sabine Mesletzky, Marion Neises, Franziska Niemann, Pia Pracht, Melanie Preßler, Nina Pütz, Claudia Rankers, Katrin Richter, Aida Rizvo, Kerstin Rücker, Carolin Sauer-Sidor, Sandra Schäck, Angelika Schindler-Obenhaus, Katharina Schleeberger, Marianne Schmolke, Nalan Sipar, Mirjam Staub-Bisang, Mona Steinhäußer, Sandra Stibale, Ulrike Strasser, Ramona Swhajor, Diana Taubert, Meriem Tazir, Katrin Turvey, Kathrin Weber, Alexandra Weiler, Katrin Wellmann und Julia Zobler.
