Buchtipp „In der Falle des Narzissten“ von Dr. Daniela Voigt

Birgit Hass - In der Falles Narzissten

Wie erkenne ich toxische Verhaltensmuster – und wie finde ich wieder zu mir selbst zurück?

Mit „In der Falle des Narzissten – Wie du toxische Menschen erkennst und dein Leben zurückgewinnst“ widmet sich Dr. Daniela Voigt einem Thema, das weit über schwierige Paarbeziehungen hinausgeht. Besonders interessant fand ich, dass das Buch auch Freundschaften und das berufliche Umfeld einbezieht.

Voigt beschreibt unterschiedliche Formen narzisstischen Verhaltens und typische Dynamiken wie Gaslighting, Love Bombing, Hoovering, Silent Treatment oder das Einbeziehen Dritter. Doch das Buch bleibt nicht bei der Frage stehen, wie man problematische Muster erkennt. Sein eigentlicher Schwerpunkt liegt für mich auf einer anderen Frage:

Wie gewinnt man die eigene Selbstbestimmung zurück?

Besonders stark: der Blick auf die Arbeitswelt

Diesen Teil fand ich ausgesprochen spannend. Hier geht es um Hierarchien, Macht, Abhängigkeiten, beruflichen Status und die Angst, den eigenen Job oder die Anerkennung anderer zu verlieren.

Gerade im Berufsleben sind problematische Dynamiken häufig schwieriger zu durchbrechen als im privaten Umfeld. Schließlich hängen Einkommen, Karriere und oftmals auch das berufliche Netzwerk daran.

Das Buch zeigt deshalb Strategien auf, die erstaunlich pragmatisch sind: Grenzen setzen, Informationen bewusst teilen, sachlich kommunizieren, sich nicht in Loyalitätskämpfe hineinziehen lassen und ein unabhängiges Umfeld aufbauen.

Ein Gedanke bleibt besonders hängen: die eigene Würde und den eigenen Respekt zu bewahren.

Die stärksten Kapitel kommen für mich am Ende

Denn dort verschiebt sich die Perspektive.

Weg vom anderen.
Hin zu einem selbst.

Selbstfürsorge. Emotionale Abgrenzung. Neue Beziehungen. Resilienz. Selbstbestimmung.

Damit wird das Buch letztlich auch zu einem Buch über Neuanfang.

Und vielleicht ist das seine wichtigste Botschaft: Wir können nicht bestimmen, wie andere Menschen mit uns umgehen. Aber wir können lernen zu erkennen, was uns nicht guttut, Grenzen zu ziehen und irgendwann zu entscheiden, welchen Menschen und Situationen wir weiterhin Macht über unser Leben geben.

Mein Fazit: Ein sehr zugänglicher, praxisorientierter Ratgeber, der viele Verhaltensmuster verständlich benennt und konkrete Impulse für den Umgang damit gibt. Besonders lesenswert fand ich die Übertragung auf das Berufsleben und die Kapitel über Selbstbestimmung und persönliche Weiterentwicklung. Bei der psychologischen Einordnung wäre an einigen Stellen etwas mehr Differenzierung wünschenswert.

Denn am Ende sollte die entscheidende Frage vielleicht gar nicht lauten:

„Ist dieser Mensch ein Narzisst?“

Sondern:

„Was macht diese Beziehung mit mir – und möchte ich, dass sie weiterhin so viel Raum in meinem Leben bekommt?“

Und genau dort kann ein Neuanfang beginnen.