Zwischen Diskretion und Transparenz: Neue Compliance-Anforderungen für den Kunstmarkt

Larissa Franze und ihr Team links Helen Panah und rechts Christin Muelke

Kunstmarkt im Wandel: Warum Geldwäscheprävention für Galerien und Auktionshäuser immer wichtiger wird

Larissa Franze Anti-Financial-Crime-Expertin On Stage
Larissa Franze Anti-Financial-Crime-Expertin On Stage

Auf den ersten Blick haben Kunst und Geldwäsche wenig miteinander gemeinsam. Die eine Welt steht für Kreativität, Kultur und Leidenschaft, die andere für Kriminalität, Regulierung und Compliance. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Der Kunstmarkt weist einige strukturelle Besonderheiten auf, die ihn anfällig für Missbrauch machen können.

Hohe Einzelwerte, internationale Transaktionen und oftmals komplexe Eigentumsstrukturen schaffen Rahmenbedingungen, die auch für Geldwäscher und Terrorismusfinanzierer attraktiv sein können. Deshalb verändert sich die Rolle von Kunstgalerien, Auktionshäusern und Kunsthändlern derzeit grundlegend.

Finfluencer Circle No. 21
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Warum der Kunstmarkt besonders sensibel ist

Ein einzelnes Kunstwerk kann Millionen wert sein. Käufer und Verkäufer agieren häufig international, Transaktionen werden über Vermittler abgewickelt und die tatsächlichen wirtschaftlichen Eigentümer bleiben nicht immer unmittelbar erkennbar.

Diese Faktoren können dazu genutzt werden, Vermögenswerte zu verschieben, zu speichern oder ihre Herkunft zu verschleiern. Für Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber ist der Kunstmarkt daher längst kein Nischenthema mehr.

Sopra Steria Anti Financial Crime Abteilung
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Vom Kunstvermittler zum Compliance-Akteur

Was bislang vor allem Banken, Versicherungen oder Finanzdienstleister betraf, erreicht zunehmend auch den Kunstmarkt. Galerien, Auktionshäuser und Händler werden immer stärker in die Verantwortung genommen, aktiv zur Verhinderung von Geldwäsche beizutragen.

Dabei stehen drei zentrale Aufgaben im Mittelpunkt:

1. Transparenz schaffen

Marktteilnehmer müssen künftig deutlich genauer wissen, mit wem sie Geschäfte machen. Dazu gehört nicht nur die Identifizierung von Käufern und Verkäufern, sondern auch die Ermittlung der wirtschaftlich Berechtigten hinter Unternehmen oder Gesellschaften.

Gerade in einem Markt, in dem Diskretion traditionell eine wichtige Rolle spielt, bedeutet dies einen erheblichen Wandel.

2. Risiken aktiv bewerten

Die bloße Abwicklung einer Transaktion reicht nicht mehr aus. Gefragt ist eine risikobasierte Betrachtung:

  • Ist die Transaktion wirtschaftlich nachvollziehbar?
  • Passt der Kaufpreis zum Marktwert?
  • Ist die Herkunft des Kunstwerks dokumentiert?
  • Sind die beteiligten Strukturen plausibel?

Solche Fragen werden künftig zum Standardrepertoire professioneller Marktteilnehmer gehören.

3. Verantwortung übernehmen

Wo Unklarheiten bestehen, entsteht eine klare Erwartung: nachfragen, dokumentieren und gegebenenfalls weitere Prüfungen durchführen.

Compliance wird damit zu einem festen Bestandteil des Geschäftsprozesses und nicht mehr nur zu einer administrativen Nebentätigkeit.

Neue EU-Regeln erhöhen den Druck

Zusätzliche Dynamik erhält diese Entwicklung durch die neue EU-Anti-Geldwäsche-Verordnung (AMLR).

Kunstgalerien und Auktionshäuser werden künftig offiziell als sogenannte „Verpflichtete“ eingestuft. Damit unterliegen sie ähnlichen Anforderungen wie viele Unternehmen der Finanzbranche.

Dazu gehören unter anderem:

  • systematische Risikoanalysen,
  • dokumentierte Kontroll- und Prüfprozesse,
  • klare Verantwortlichkeiten,
  • Schulungen und Compliance-Maßnahmen,
  • Meldepflichten bei Verdachtsfällen.

Die Regulierung wird damit deutlich konkreter und verbindlicher.

Gäste beim Vortrag von Larissa Franze AFC-Expertin Sopra Steria
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Ein typischer Risikofall

Wie solche Risiken in der Praxis aussehen können, zeigt ein vereinfachtes Beispiel:

Ein Kunstwerk wird zunächst von einer Galerie erworben und anschließend über mehrere Stationen weiterverkauft. Ein Berater tritt als Vermittler auf, während der eigentliche Käufer anonym bleibt und über eine Offshore-Gesellschaft bietet. Die Zahlung erfolgt nicht direkt, sondern über verschiedene Konten und beteiligte Dritte.

Auf den ersten Blick wirkt jede einzelne Transaktion plausibel. Doch bei genauerer Betrachtung stellen sich wichtige Fragen:

  • Wer ist der tatsächliche Käufer?
  • Woher stammen die eingesetzten Gelder?
  • Warum ist die Eigentumsstruktur so komplex aufgebaut?

Genau solche Konstruktionen können genutzt werden, um Vermögenswerte zu verschleiern oder illegal erworbene Gelder in den legalen Wirtschaftskreislauf einzuschleusen.

Deshalb wächst die Erwartung an den Kunstmarkt, solche Muster frühzeitig zu erkennen und kritisch zu hinterfragen.

Carsten Fritz erklärt BEYOS auf dem 21. Finfluencer Circle
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Zwischen Diskretion und Transparenz

Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch tiefer.

Der Kunstmarkt lebt traditionell von Vertrauen, Diskretion und individuellen Beziehungen. Regulatorische Anforderungen setzen dagegen auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und standardisierte Prozesse.

Damit steht die Branche vor einem echten Kulturwandel.

Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, ob der Kunstmarkt stärker reguliert wird. Vielmehr geht es darum, wie sich regulatorische Anforderungen so integrieren lassen, dass sie wirksam sind, ohne die Besonderheiten des Kunstmarktes zu zerstören.

Gerade darin liegt die große Herausforderung der kommenden Jahre – aber auch eine Chance, Vertrauen, Professionalität und Marktintegrität nachhaltig zu stärken.

Written by Gastautorin Larissa Franze, Sopra Steria