Warum Tokenisierung mehr ist als ein Hype
Gedanken aus dem Gespräch mit Raphael Neuberger von Cashlink
Manchmal sind es diese Gespräche, bei denen man merkt: Hier verschiebt sich gerade wirklich etwas.
So ging es mir im Austausch mit Raphael Neuberger, CEO und CFO von Cashlink. Ein Gespräch über Karrierewege, über Verantwortung – und über die Frage, wie der Kapitalmarkt der Zukunft eigentlich aussieht.
Vom „Beratungskind“ zur echten Verantwortung
Vielleicht hat mich ein Satz besonders abgeholt: „Ich bin ein Beratungskind.“
Ich musste schmunzeln – ein bisschen kenne ich das selbst.
Strategieberatung ist eine Schule. Man lernt, strukturiert zu denken, Probleme zu zerlegen, Lösungen zu entwickeln. Aber irgendwann kommt der Moment, in dem es nicht mehr um Konzepte geht, sondern um Verantwortung.
Raphael hat diesen Schritt gemacht:
Von Roland Berger in die Praxis, über die V-Bank AG, wo er Themen wie Krypto, Custody und elektronische Wertpapiere aufgebaut hat – hin zu Cashlink.
Heute gestaltet er nicht nur Strategien, sondern baut aktiv Infrastruktur.
Für das, was wir „Kapitalmarkt der Zukunft“ nennen.
Infrastruktur klingt trocken. Ist es aber nicht.
Wenn wir über Innovation im Finanzbereich sprechen, denken viele zuerst an Produkte. Neue Assets. Neue Plattformen. Neue Geschäftsmodelle.
Aber die eigentliche Musik spielt oft darunter.
Cashlink versteht sich als „Issuance Layer“ – also die Ebene, auf der digitale Wertpapiere überhaupt erst entstehen und verwaltet werden.
Seit dem Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) gibt es in Deutschland erstmals die Möglichkeit, Wertpapiere vollständig digital abzubilden. Ohne Globalurkunde. Ohne klassische Verwahrketten.
Was technisch klingt, ist in Wahrheit ein Paradigmenwechsel.
Tokenisierung: Zwischen Buzzword und Realität
Tokenisierung ist eines dieser Wörter, die schnell in die Buzzword-Ecke rutschen.
Zu oft gehört. Zu oft überhöht.
Und gleichzeitig passiert gerade genau das Gegenteil:
Die großen Player bewegen sich.
- BlackRock
- JPMorgan Chase
- Börsen wie Nasdaq
Sie alle arbeiten daran, bestehende Assets zu tokenisieren.
Nicht irgendwann. Sondern jetzt.
Die spannende Frage ist deshalb nicht mehr, ob Tokenisierung kommt.
Sondern: Wie schnell sie zur neuen Normalität wird.
Vom Retail zum institutionellen Markt
Auch Cashlink selbst hat sich verändert.
Gestartet im Crowdinvesting – also eher im Retail-Bereich – liegt der Fokus heute klar auf institutionellen Kunden.
Ein Treiber: Initiativen der Europäische Zentralbank rund um digitale Zentralbankwährungen im Wholesale-Bereich.
Was daraus entstanden ist?
Eine spürbar steigende Nachfrage. Kontinuierlich. Nachhaltig.
Und das ist vielleicht das stärkste Signal von allen:
Nicht die Studien. Nicht die Prognosen. Sondern der Markt selbst.
Vertrauen ist die eigentliche Währung
Was mir aus dem Gespräch besonders hängen geblieben ist:
Technologie allein reicht nicht.
Gerade in einem Bereich wie dem Kapitalmarkt geht es immer auch um Vertrauen.
In Systeme. In Prozesse. In Infrastruktur.
Tokenisierung kann vieles effizienter machen. Schneller. Transparenter.
Aber sie muss gleichzeitig verlässlich sein.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Herausforderung der nächsten Jahre.
Mein Fazit
Ich nehme aus dem Gespräch vor allem eines mit:
Wir stehen nicht am Anfang eines Hypes.
Wir stehen am Anfang eines Strukturwandels.
Und dieser Wandel entscheidet sich nicht nur auf der sichtbaren Oberfläche – sondern tief in der Infrastruktur.
Oder anders gesagt:
Die Zukunft des Kapitalmarkts wird gebaut. Gerade jetzt.
Wenn ihr mögt:
👉 Wie seht ihr das Thema Tokenisierung?
👉 Hype, Evolution – oder Revolution?
Ich freue mich auf den Austaus
