The Finfluencer Circle Delegation on the road
Es gibt diese seltenen Momente auf Konferenzen, in denen man spürt:
Hier verschiebt sich gerade etwas.
Der erste Tag des eIDAS Summit 2026 war genau so ein Moment.
Was mich besonders beschäftigt hat:
Wie geschlossen Politik, Wirtschaft und Verbraucherschutz diesmal auf ein Thema blicken – die EUDI Wallet.

Mehr als ein staatliches Projekt
Gleich zu Beginn machte Markus Richter klar:
Die EUDI Wallet ist kein reines Behördenprojekt.
Das klingt zunächst wie eine politische Einordnung – ist aber viel mehr.
Es ist ein Perspektivwechsel.
Denn wenn digitale Identität als Grundlage wirtschaftlicher Prozesse verstanden wird, verändert sich automatisch die Diskussion:
Dann geht es nicht mehr um Regulierung allein, sondern um Wertschöpfung.

Der Ton hat sich verändert
Was mir im Laufe des Tages immer wieder aufgefallen ist:
Die Gespräche sind konkreter geworden.
Weniger Vision.
Weniger „was wäre wenn“.
Dafür mehr Fragen wie:
- Welche Use Cases bringen echten Mehrwert?
- Wie integrieren wir die Wallet in bestehende Systeme?
- Wie schaffen wir Interoperabilität in Europa – nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch?
Das klingt nüchtern.
Ist aber ein gutes Zeichen.
Denn genau hier entscheidet sich, ob aus einer Idee Realität wird.

Vertrauen ist kein Nebenthema
Ein Punkt, der fast zwischen all den technischen Diskussionen herausstach, war das Thema Kommunikation.
Markus Reichel hat es klar benannt:
Ohne die richtige Kommunikation wird dieses Projekt nicht funktionieren.
Und das ist vielleicht der entscheidende Punkt.
Denn digitale Identität ist kein rein technologisches Thema.
Es geht um Vertrauen.
Aus Verbrauchersicht brachte es Heike Troue auf eine einfache Formel:
Der „Goldstandard“ funktioniert nur, wenn er im Alltag funktioniert.

248 Tage
Was mich dann doch kurz innehalten ließ: der Zeitplan.
In 248 Tagen soll die EUDI Wallet produktiv gehen.
Ab 2027 wird sie verpflichtend.
Das ist ambitioniert.
Und vielleicht genau deshalb notwendig.
Denn große Infrastrukturprojekte brauchen einen klaren Druck zur Umsetzung.

Warum das alles relevant ist
Die Idee hinter der EUDI Wallet ist eigentlich einfach:
Eine sichere, datenschutzkonforme digitale Identität für Europa.
Und doch steckt darin enormes Veränderungspotenzial.
Selective Disclosure bedeutet:
Ich teile nur noch das, was wirklich nötig ist.
Kein „alles oder nichts“ mehr.
Keine unnötigen Datenweitergaben.
Was technisch klingt, hat ganz konkrete Auswirkungen:
- Prozesse werden schlanker
- Reibung verschwindet
- Digitale Geschäftsmodelle werden einfacher umsetzbar
Oder anders gesagt:
Viele Dinge, die heute noch kompliziert sind, könnten plötzlich selbstverständlich werden.
Zwischen Anspruch und Realität
Trotz aller Aufbruchsstimmung bleibt eine Frage:
Schaffen wir es, diese Vision pragmatisch umzusetzen?
Die Zutaten sind bekannt:
- rechtliche Klarheit
- funktionierende Use Cases
- Integration in bestehende Systeme
- Beteiligung der Wirtschaft
- Vertrauen auf Seiten der Nutzer
Die Herausforderung liegt – wie so oft – nicht im „Was“, sondern im „Wie“.

Mein persönliches Fazit
Ich habe selten eine so klare strategische Richtung erlebt.
Und gleichzeitig selten so deutlich gespürt, dass jetzt die eigentliche Arbeit beginnt.
Europa hat hier die Chance, einen echten Standard zu setzen.
Nicht nur technologisch, sondern auch gesellschaftlich.
Ob das gelingt, entscheidet sich in den kommenden Monaten.
Vor Ort mit vielen spannenden Gesprächen und Perspektiven – gemeinsam mit Hristo Iliev, Erdinch Mehmedali, Sandra Thalhammer, Katja Eberle und Michelle Wernicke.
