Take Aways des Finfluencer Circle No. 20

Finfluencer Circle 20

Wenn Payment verschwindet – und genau deshalb wichtiger wird

Vom Kino zu Netflix.
Von der Schallplatte zu Spotify.

Technologische Transformationen haben oft ein gemeinsames Muster: Der Bruch in der Nutzererfahrung verschwindet. Wir wählen etwas aus – und der Rest passiert nahezu unsichtbar im Hintergrund.

Musik streamen, Filme anschauen oder ein Taxi bestellen funktioniert heute so selbstverständlich, dass wir kaum noch über die Technologie dahinter nachdenken.

Beim Bezahlen ist das erstaunlicherweise noch nicht ganz der Fall.

Der letzte Bruch im digitalen Erlebnis

Zwar sind Zahlungsprozesse heute meist elektronisch, aber oft noch nicht wirklich in digitale Abläufe integriert. Der Moment des Bezahlens fühlt sich häufig wie ein Unterbruch an.

Man kennt das:
Produkt auswählen, bestellen – und plötzlich beginnt ein eigener Prozess.

Kreditkartendaten eingeben.
Zu PayPal wechseln.
Eine TAN bestätigen.
Ein Lastschriftmandat akzeptieren.

Der Bezahlvorgang wird zu einem separaten Schritt, der den eigentlichen Prozess unterbricht. Genau dieser Bruch könnte jedoch der Ausgangspunkt für eine neue Phase im Zahlungsverkehr sein.

Die Idee dahinter: Payment wird eingebettet.

Embedded Payment statt Checkout-Ritual

Beim Finfluencer Circle No. 20 wurde deutlich, wie sich das Paradigma verschieben könnte.

Wenn Bezahlung nicht mehr ein separater Schritt ist, sondern im Hintergrund parallel zum eigentlichen Geschäftsvorgang läuft, entstehen völlig neue Möglichkeiten.

Payment wird dann nicht mehr als „Checkout“ wahrgenommen, sondern als kontinuierlicher Zahlungsstrom.

Das klingt abstrakt – wird aber schnell konkret.

Wenn nicht mehr der Mensch bezahlt

Ein Beispiel aus der Praxis: das Flottengeschäft.

Viele Unternehmen arbeiten mit Tankkarten für ihre Fahrzeuge. Ein bekanntes Problem dabei ist Betrug: Fahrer können mit der Firmenkarte auch privat tanken.

Die radikale Lösung lautet:
Nicht der Mensch bezahlt – sondern das Fahrzeug.

Wenn ein LKW eine eigene Wallet besitzt und das Unternehmen gezielt Budget für Tanken oder Laden bereitstellt, kann das Fahrzeug selbst bezahlen. Die Zahlung erfolgt automatisch, transparent und genau für den vorgesehenen Zweck.

Damit verändert sich nicht nur der Prozess – sondern auch das Verständnis von Zahlung.

Dr Dr Johannes Blassl beim Finfluencer Circle No.20
Dr Dr Johannes Blassl beim Finfluencer Circle No.20

Wenn Strom und Geld gleichzeitig fließen

Ein weiteres Beispiel zeigt, wohin sich das entwickeln könnte.

Wer heute ein Elektroauto lädt, kennt die Realität: verschiedene Anbieter, Apps, Karten und Authentifizierungsprozesse. Der Ladeprozess ist häufig erstaunlich kompliziert.

Die Vision für die Zukunft sieht anders aus.

Ein Auto steht auf einer induktiven Ladefläche.
Der Strom beginnt zu fließen.

Parallel dazu startet automatisch ein Zahlungsstrom – möglicherweise über eine Wallet im Fahrzeug und eine digitale Währung wie einen Stablecoin oder digitalen Euro.

Der Strom fließt.
Die Zahlung fließt.

Sekundengenau, solange geladen wird.

Fährt das Auto weg, endet auch der Zahlungsstrom.

In dieser Logik verschwindet der klassische „Point of Sale“. Zahlung wird Teil eines automatisierten Systems.

Stablecoins als Infrastruktur

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Diskussion war die Rolle von Stablecoins.

Während Kryptowährungen lange vor allem als spekulative Assets wahrgenommen wurden, rücken Stablecoins zunehmend als technische Infrastruktur in den Fokus.

Sie verbinden zwei Welten: die Blockchain-Infrastruktur und die Stabilität klassischer Währungen.

Gleichzeitig stellt sich eine strategische Frage für Europa. Der Markt für Stablecoins wird aktuell stark von US-Dollar-basierten Lösungen dominiert. Selbst im Euro-Bereich spielen US-Anbieter bereits eine bedeutende Rolle.

Damit geht es nicht nur um Technologie, sondern auch um Souveränität im Zahlungsverkehr.

Wer die Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert letztlich auch Standards, Datenflüsse und Abhängigkeiten.

Finfluencer Circle No. 20
Finfluencer Circle No. 20

Warum Payment wieder spannend wird

Lange galt Payment in vielen Diskussionen eher als ein „ausentwickeltes“ Thema. Doch gerade jetzt entsteht eine neue Dynamik, weil mehrere Entwicklungen gleichzeitig zusammenkommen:

  • Blockchain als Infrastruktur für digitale Assets
  • Stablecoins als Brücke zwischen digitaler und klassischer Finanzwelt
  • künstliche Intelligenz als Interface, das Prozesse automatisiert

Besonders spannend ist, dass diese Entwicklung nicht nur von Banken und FinTechs getrieben wird. Auch Plattformunternehmen und Händler bauen zunehmend eigene Payment-Kompetenzen auf.

Der Grund ist einfach: Wer große Volumina bewegt, möchte Geschwindigkeit und Kontrolle.

Wenn AI den Checkout verschwinden lässt

Ein Gedanke aus der Diskussion war besonders interessant: Künstliche Intelligenz könnte den Bezahlmoment langfristig komplett verschwinden lassen.

Digitale Agenten könnten künftig wiederkehrende Ausgaben analysieren, Bestellungen auslösen und Bezahlungen im Hintergrund abwickeln.

Für Nutzerinnen und Nutzer würde Payment dann kaum noch sichtbar sein.

Und genau deshalb wird es strategisch noch wichtiger.

Denn wenn Bezahlung nicht mehr bewusst wahrgenommen wird, entscheidet nicht mehr die Gestaltung einer Checkout-Seite – sondern wer die unsichtbare Infrastruktur betreibt.

Finfluencer Circle Simon Seiter
Finfluencer Circle Simon Seiter

Ein neuer „Money Stack“

Der Wandel im Payment findet außerdem nicht isoliert statt. Er trifft auf eine Reihe weiterer Entwicklungen:

digitale Identitäts-Wallets
Business Wallets für Unternehmen
digitale Produktpässe
programmierbare Prozesse in Lieferketten und Industrie

Zusammen entsteht ein neuer digitaler „Money Stack“, der wirtschaftliche Prozesse grundlegend verändern könnte.

Für Unternehmen – insbesondere im Mittelstand – bedeutet das weniger die Frage, ob man „an Stablecoins glaubt“.

Wichtiger ist die Fähigkeit, mit diesen neuen digitalen Infrastrukturen umgehen zu können.

Fazit: Payment wird unsichtbar – und genau deshalb zentral

Der Eindruck des Abends war klar: Payment entwickelt sich gerade von einer Funktion zu einer Infrastruktur.

Stablecoins sind dabei nicht nur ein Krypto-Thema, sondern potenziell neue Zahlungs-Rails.
Künstliche Intelligenz wird zum Interface für wirtschaftliche Prozesse.
Und Embedded Payment sorgt dafür, dass Bezahlung in den Hintergrund verschwindet.

Vielleicht wird es am Ende ähnlich sein wie bei Musik oder Film.

Die entscheidende Innovation ist nicht unbedingt die Technologie selbst, sondern der Moment, in dem sie so nahtlos wird, dass sie sich selbstverständlich anfühlt.

Und genau in diesem Moment beginnt oft eine völlig neue Phase der Wertschöpfung.

Finfluencer Circle No 20
Finfluencer Circle No 20